Oberhausen, immer eine Reise wert?
Aug 18, 2009
By nada
Filed in old shit, zu besuch beim schwarzen block
Am 8.8. ging es los, mit der Regionalbahn Richtung Oberhausen; wegen Egotronic zum Antifacamp (dem "antideutschen", also dem wo man die Bahamas käuflich erwerben kann). Irgendwo bei Düsseldorf angefangen zu trinken. Seitdem nicht mehr von der Flasche los gekommen, aber sind ja auch noch Ferien. Alternativ auch Symptomatische Phase.
Kaum in Oberhausen angelangt mit diversen Subkulturen des modernen Neonazis konfrontiert. Begeisterte Eingebung: Der Ruhrpott ist der Osten des Westens. Einen Augenblick später gemerkt: Egal. Mit mehr Becks eingedeckt, anschließend zum "Camp" (Leute schlafen ein paar Tage im Jugendzentrum oder in Zelten, machen Schwanz- bzw. Teli-Vergleiche und/oder Sexismusvorwürfe und legitimieren diese Art des szenetypischen Urlaubsersatzes mit einem täglichen Vortragsprogramm. Mit ein wenig Glück hören sogar mal ein paar zu oder jemand schafft es Sex im gemein- schaftlichen Schlafsaal zu bekommen. Bei letzterem muss aber erst noch das plakatierte Regelwerk beachtet werden, wehe wenn nicht…).
Auf dem Campgelände angekommen erstmal subkulturel gefütterten Smalltalk, dann weitertrinken. Ein Mitglied der Intifada Duisburg wird gesichtet. Der Mob setzt sich in Bewegung und geht mit gezücktem Pfefferspray ins Rennen. Irgendwer deeskaliert, anschließend trinkt man wieder zusammen. Antifakinder bilden einen Chor und krakeelen Busch-Hits und die Internationale. Leichte Übelkeit.
Dann: gewohnt gute Show von den sympathischen Popstars aus der Reichshaupt- stadt. Der ausgedünstete Schweiß des Publikums kondensiert an der Decke und regnet in Strömen wieder hinab. Ekstatische Zustände. Anschließend taucht eine junge Frau auf, die begeistert davon berichtet, wie sie ihr durch den herabtropf- enden Schweiß verwaschenes Make-up von der musikalischen Leistung der Band überzeugte. Anflug von Ekel. Erstmal trinken, dann am Arsch, warten auf den ersten Zug Richtung Norden.
Kurz vor der Abfahrt zweites Highlight voller Gewalt. Ein Junggesellenabend endet in einer Auseinandersetzung mit der anwesenden Antifajugend. Leider wieder keine Schlägerei. Der angehende Ehegatte probiert seine Freunde (7) zum Angriff zu motivieren, die Antifas (ca. 40) wanken zwischen Angst, Aggression und Verwirrung. Schließlich wird die Polizei gerufen. Nachdem diese sich mit mehreren Streifenwagen eingefunden hat, fragt der entnervte Herr Oberwachtmeister, ob man so etwas denn nicht alleine Regeln könne.
Anschließend Abgang.
Nächster Tag. 12 Stunden in der Bahn. Hinter Rostock steigt die Nazidichte sichtlich an. Abends dann Meer, Fleisch und Bier. Die folgende Woche setze sich im groben aus eben den genannten Dingen zusammen. Wobei Fleisch auch mal Fisch weichen muss. Berge (künstlerische Übertreibung) aus roten Kadavern zeugen von der Marienkäfer-Heimsuchung einige Wochen zuvor. Probiert viel am Strand zu lesen. Gescheitert.
Heimfahrt unspektakulär. 14 Stunden Zug, danach trinken.

6 Comment(s)
By IdrawESCAPEplans on Aug 19, 2009 | Reply
köstlich geschrieben
By Ashpole on Aug 20, 2009 | Reply
grosse Klasse!
By hm on Aug 21, 2009 | Reply
was spricht denn gegen das regelwerk? steht da ja nirgends, dass man nen antrag stellen muss. aber es soll ja menschen geben, zu denen das noch nicht durchgedrungen ist, dass etwa ein “kein bock” oder ein “ich bin müde” eine absage ist; von daher finde ich das durchaus sinnvoll.
By nada on Aug 21, 2009 | Reply
zum einen werden sich leute die auf ein “kein bock” und ein “ich bin müde” nicht reagieren sicher nicht von einem plakat eines besseren belehren lassen. zum anderen dienen so zweifelhafte erkenntnisse wie “stille heißt nein”, “… heißt nein” oder “ich bin mir nicht sicher heißt nein” wohl auch eher dazu, jugendantifas einige probleme mit der eigenen sexualität zu bescheren, als potenzielle vergewaltiger in die schranken zu weisen. ich kenne zumindest keine erfahrungsberichte über pubertäre sexuelle kontakte, wo nicht erst unsicherheit im spiel gewesen wäre.
das plakat ist für mich daher eher ausdruck eines bedürfnis, welches linke mit der bürgerlichen moral gemein haben. man möchte nämlich die sexualität kontrollieren können und bloß nichts der leidenschaft überlassen.
By hm on Sep 9, 2009 | Reply
leidenschaft? wenn eine nicht will? wo ist denn die leidenschaft bei einem ‘ich bin müde’ oder ‘lieber nicht’ oder ‘kein bock’? das scheint mir doch eine sehr einseitige angelegenheit zu sein. als ich noch klein war, musste man mich, wenn ich wollte, nicht mehrmals fragen. und daran hat sich bis heute nichts geändert. dann weiß ich meiner leidenschaft schon freien lauf zu lassen.
und was ist nochmal schlecht an einer sensibilisierung? - dass das vergewaltiger, die sowieso schon den entschluss gefasst haben, einen fremden willen zu brechen, abhält, nimmt wohl niemand an.
es geht doch um bedrängung und darum, dass man jemanden so lange bedrängen kann, bis er nachgibt - nicht weil er das will, sondern ‘weil es sonst heißt, dass ich prüde bin’ u.s.w.
wenn eine sagt ‘du bist nicht mein typ’ das das KEINE aufforderung, der ‘leidenschaft’ freien lauf zu lassen - im gegenteil.
und natürlich kann man sexualität kontrollieren. oder bist du ‘triebgesteuert’ und grabschst ständig leute an, obwohl du das gar nicht willst?! compulsive grabscherei?! - WIE KRASS!
By nada on Sep 11, 2009 | Reply
les nochmal, denk nochmal drüber nach und dann probier es vielleicht nochmal. so reflexhafte antworten gehen öfter mal arg am thema vorbei…