„Köln war überschattet von zügelloser Gewalt“
Sep 22, 2008
By nada
Filed in hooliganism, arme kleine deutsche, german feelings
„Die Führung der Kölner Polizei hat heute ihre Beamten in einer Auseinandersetzung mit gewaltbereiten Linksextremisten regelrecht
verheizt und schließlich vor den roten Gewalttätern kapituliert.“1
Hätte der G8 Gipfel dieses Jahr wieder in Deutschland stattgefunden, hätte sich wohl niemand außer der Kölner Zivilgesellschaft und regionalen Antifas um den selbst ernannten Anti-Islamisierungskongress des rechtspopulistischen Rentnervereins Pro Köln2 gekümmert. Da man sich aber dieses Jahr dann doch lieber in Japan zu Sushi und Sake getroffen hatte, mussten sich die hiesigen Linken nach etwas anderem umsehen. Denn ein ganzes Jahr ohne Großspektakel und Revolutionssimulation hält auch der geduldigste Carhartt- oder Wursthaarträger nicht aus; und da man in Köln, dank übermotivierten Antifaschisten vor Ort, gute Grundbedingungen für ein wenig Action hatte und man das ganze bei den diversen Strömungen der deutschen Linken auch gut unter verschiedenen Aspekten – Antirassismus, Antinationalismus, Antiislamophobie, Antifaschismus - bewerben konnte, bot sich das dortige Treffen von rassistischen Vollspacken dann nur allzu gut an, um mal wieder ein bisschen Bewegung für die Bewegung zu machen.
So machte man sich dann am 19. September – nach zahlreichen Infotouren, Vorfeldaktionen und sonstigem Gedöns – auf nach Köln um mal wieder dem eigenen Aktivismus eine Existenzberechtigung zu verschaffen.
Prolog
Nachdem vom Kölner Antifa AK Anfang des Jahres begonnen wurde massiv nach Köln zu mobilisieren3 zog die Zivilgesellschaft bald auch auf breiter Basis nach.
Vom Kleingartenverein bis hin zur CDU bildete sich die Volksfront gegen Rechts; ein in [West-]Deutschland mittlerweile eingeübtes Ritual, welches von Antifas gern gesehen ist und bei Gelegenheit auch gern mal aus dieser Ecke initiiert wird um sich den bürgerlichen Rückhalt zu sichern.
Neben diversen Bündnissen rief schließlich auch das antifaschistische ums Ganze!-Bündnis mit einem eigenen Aufruf zu Aktivitäten gegen den Pro Köln-Kongress auf. Bei ihrer Mobilisierung waren sie sich nicht zu blöd dafür auf christliche Metaphorik zurückzugreifen4 und zwecks Legitimierung ihres Beitrags zur Verteidigung des guten Deutschlands gegen die bösen Rechtspopulisten zusammen mit dem Antifa AK Cologne einen eigenen Kongress zu veranstalten. Eine Übung, die sie bereits letztes Jahr bei ihrer Beteiligung an den Protesten gegen den G8 Gipfel praktiziert hatten.
1. Akt: „RAF! PKK! Autonome Antifa!“5
Nachdem sich eine kleinere Schar Antifas bereits am Vormittag des 19. Septembers diverse Scharmützel mit der Polizei geliefert hatte, und dafür sorgte, dass eine handvoll Pro Kölner zwangsweise fünf Stunden auf einem luftigem Schiff auf dem Rhein schwanken musste6, versammelte sich Abends die Crème des deutschen Antifaschismus zur Vorabenddemo des bewegungsfreudigen ums Ganze!-Bündnisses vor dem Kölner Dom. Unter dem tiefgründigen Motto „Fight the game! Rassismus, Islamismus, Nationalismus und Kapitalismus bekämpfen!“7 zog der ca. 2000 Köpfe zählende schwarze Block mit einiger Verzögerung und mit einigen durch Vorkontrollen verursachte Verlusten in die Kölner Innenstadt. Dabei fiel recht schnell auf, dass der Terminus antifaschistische Vorabenddemo bei den Beteiligten wohl mehr zog als das überlange und leicht schwammige Demomotto. Bis auf das hinter massiven Polizeikräften verborgene Fronttransparent war es auch nicht gerade ersichtlich um was es eigentlich gehen sollte. Da verwunderte es auch nicht, dass man innerhalb der Demonstration so ziemlich alle Parolen hören konnte, welche die verschiedenen Anitfagruppen so zu bieten haben; sei es die antinationale oder internationale Solidarität, das mantrahafte Beschwören eines es muss ums Ganze gehen oder der Hilferuf nach Bomber Harris.
Man hatte es also schon einmal erfolgreich geschafft die antifaschistische Bewegung zu einnen, ohne sich dabei die Nasen wegen so lächerlicher Nebenwidersprüche wie Israelsolidarität und antiimperialistischen Widerstand einzuschlagen; es schien fast so als wäre man wieder eine große Familie, als hätte man sich die vergangenen Jahre wieder verziehen und sei bei einem neuen linken Pluralismus angelangt, in dem alle willkommen sind, solange sie nur anständig Ketten bilden können.
Nachdem der Familienspaziergang dann irgendwann an sein Ende kam bzw. die Exekutive mal langsam ins Bett wollte, kam es noch zu den unausweichlichen Actioneinlagen, aber deswegen war man, und die Medienvertreter, ja schließlich da und die Kölner Altstadt sieht im Bengaloschein doch gleich viel schöner aus.
2. Akt: „Haut dem Typen doch endlich mal eine rein!“8
Am nächsten Morgen ging es dann genauso schön pluralistisch weiter, wie es am Tag zuvor begonnen hatte, anstatt geschlossen zum Treffpunkt des antisemitischen Bündnisses von Initiativ e.V. & Co zu gehen um den Typen mal ordentlich ein paar aufs Maul zu geben oder die so genannte Kölner Klagemauer in Kleinteile zu zerlegen ging man Hand in Hand mit dem deutschen Zivilgesellschaftsvertretern zu den Blockadepunkten, die einem das hingesetzt-Bündnis per Flyer9 zuordnete.
Vor Ort gab es dann erstmal die große Langweile, entweder man reihte sich in die Masse der Blockierenden ein oder blieb mit etwas Abstand bei den aktionsorientierten Jugendlichen, welche erstmal begannen willkürlich Barrikaden zu errichten und die ein oder andere Mülltonne in Brand steckten. Netterweise waren die Besucher des Pro Köln-Kongresses teilweise so rechtsstaatgläubig, dass sie in bester Selbstmordattentätermanier in die sie erwartenden Antifagruppen hinein liefen - mit dem fundamentalen Fehler den Sprengstoffgürtel daheim vergessen zu haben – und nach kurzem aber intensiven Kontakt diese dann auch wieder recht schnell verließen. Ähnlich erging es auch einer Gruppe Touristen, die mit ihren Rollköfferchen dummerweise zu zielstrebig auf eine Antifablockade zugeeilt kam und dann etwas zu herzlich begrüßt wurde. So was fällt dann wohl unter Kollateralschäden.
Vereinzelt waren sogar Vertreter der nationalen Fundamentalopposition angereist um auch am Spektakel teilzuhaben10, doch mussten diese, zumeist vorzeitig, mit blutiger Lippe oder unter Polizeischutz, wieder aus Köln verschwinden da ihnen die allgemeine Grundstimmung nicht ganz so gut bekam.
Derweilen übte sich der politisch engagierte Bürger im Protestieren gegen die braune Gefahr, sei es nun bei einer der zahlreichen Sitzblockaden oder bratwurstessend zum akustischen Massenmord von Bap11 und Konsorten.
Auf dem Heumarkt, dort wo die Zombiearmee von Pro Köln mit ca. 50 tapferen Kämpfern für das Abendland aufgelaufen war, wurde es der Polizeiführung nach etlichen lädierten Kameraden zu dumm und sie verbot die Veranstaltung kurzerhand, sehr zum Missfallen der anwesenden Islamkritiker Rassisten, die sich nicht zu blöd waren, ihren Unmut über die finsteren Mächte hinter der Verbots-Farce dann auch lautstark vor den anwesenden Journalisten Luft machten: „Das ist die heimliche Diktatur der Zionisten, des Großkapitals!“.12
Zur selben Zeit, wo in der Innenstadt fleißig Aktionismus an den Tag gelegt wurde, standen sich am Kölner Flughafen 200 willige Besucher des Kongresses die Füße wund, da Antifas die S-Bahn Verbindung lahmgelegt hatten bzw. die Polizei aus Sicherheitsgründen die Weiterfahrt untersagt hatte. Unter den 200 Rassisten befand sich - u.a. neben Vertretern und Sicherheitspersonal des neonazistischen Vlaams Belang - auch eine große Gruppe von Politically Incorrect Lesern und Schreibern, unter ihnen auch der Blogchef Stefan Herre. Bei der spontan einberufenen Pressekonferenz von Pro Köln diente dann auch ein P.I.-Transparent als Hintergrund.13 Das lag wohl daran, dass die P.I.-Freunde wahrscheinlich die Einzigen sind, die aus dem Wochenende („Bundespogromtage“14) einen Erkenntnisgewinn gezogen haben.
3. Akt : „Köln hat sich heute vom Rechtsstaat verabschiedet!“15
Dass die Antifas und sonstige Linke nach diesem Tag mit einem guten Gefühl und einigem Schulterklopfen nach Hause fahren würden war spätestens nach dem Verbot des Kongresses sicher, hatte man doch endlich mal wieder einen Sieg errungen und war dankbar von der Kölner Zivilgesellschaft aufgenommen worden. Das freut das linke Herz und stärkt sowohl die eigene Bewegung als auch die geistige Bewegungslosigkeit.
Anders sieht das bei der Sekte um Stefan Herre aus, diese hat nämlich im Laufe des Wochenendes erkannt, was für eine bösartige Meinungsdiktatur in Deutschland herrscht und dass die Kameraden von Altermedia und Pro Köln doch recht haben in ihrer Radikalität. Nach diesem Wochenende ist für die Ganze Clique wohl klar, wo der Feind steht und das was bisher auf P.I., im Forum Grüne Pest und bei den dazugehörigen Blogs, nur als gelegentlicher Rülpser zum Vorschein trat, hat sich klar artikuliert. Was sich da immer noch als liberal und aufklärerisch verkaufen will, ist schon lange dort Angekommen, wo man den Zug schon vor Jahren hinfahren sah. P.I. und Co sind das offen zur Schau gestellte Erbrochene der deutschen Gesellschaft, eine Bande von rassistischen und antisemitischen Stammtischpöblern, die hinter dem Vorhang ihrer Israelsolidarität, einer Solidarität übrigens die über ein Lippenbekenntnis nie hinausreichte, ihren Wahn in guter deutscher Tradition ausleben.
read on:
GWG Köln & Gruppe Morgenthau - Scheitern als Programm / GWG Köln - Nationalsozialismus, Rechtspopulismus und postnazistische Demokratie / Lizas Welt - Volksfrontspektakel am Rhein
- Pro Köln über die Ereignisse am 20. September 2008. [back]
- Antifa AK Cologne zu Pro Köln. [back]
- Siehe Mobilisierungs-Homepage. [back]
- Siehe Banner. [back]
- Parole auf der Demonstration „Fight the game! Rassismus, Islamismus, Nationalismus und Kapitalismus bekämpfen!“ am 19. September 2008. [back]
- Pro Köln rumgeopfer am 19. September 2008. [back]
- Aufruf zur Demonstration „Fight the game! Rassismus, Islamismus, Nationalismus und Kapitalismus bekämpfen!“ [back]
- Ein motivierter Antifaschist am 20. September 2008. [back]
- Phoenix erklärt das Flyerkonzept. [back]
- Autonome Nationalisten nach ihrer Enttarnung am 20. September 2008 in Köln. [back]
- Die Antifahooligans von Bap am 20. September 2008 in Köln. [back]
- Siehe WDR-Bericht. [back]
- Siehe P.I. Artikel zur Pressekonferenz. [back]
- P.I.-User Eurabier über die Aktionen gegen den Pro Köln-Kongress. [back]
- P.I.-User KHJ aus Köln über die Aktionen gegen den Pro Köln-Kongress. [back]

23 Comment(s)
By Keta Minelli on Sep 22, 2008 | Reply
Liebe_r Nada, das stimmt zwar nicht alles, was du so schreibst, aber ich hätte mich sehr gefreut, dich am Wochenende mal kennenzulernen. Z.B., als es den Versuch gab, die Kölner Klagemauer einzureissen. Oder als am Freitagabend die diversen Fahnen und Transparente des Ums…Ganze-Bündnisses beschlagnahmt wurden. Andererseits fürchte ich ja ein bisschen, dass wir miteinander gar nicht so viel gelacht hätten. Diese Sache mit dem Baum der Erkenntnis fandest du ja auch nicht lustig. Naja, vielleicht kommst du ja zur nächsten Ums…Ganze-Aktion nach Berlin. Die ist dann auch mehr oder weniger bewegungslinkenfrei.
By nada on Sep 22, 2008 | Reply
Der Versuche die Mauer einzureissen wäre mal nett gewesen um Dich kennenzulernen, mit vereinten Kräften hätten wir das sicher auch geschafft…
Bei der nächsten ums Ganze Aktion werde ich wahrscheinlich dabei sein, langweilig ist es ja eher selten. Ansonsten bin ich ja eh recht humorlos und die Sache mit den Äpfeln und Bäumen versteh ich wohl einfach ganz falsch.
By peatuwe on Sep 22, 2008 | Reply
alsooo
1.Woher hast du das bild von dem SEK cop mit MEINER usa fahne?
2.wollten wir die kölner klagemauer einreissen, jedoch fanden sich nur 5-6 personen die mitziehen wollten, was wohl zu wenig gewesen wäre.
By nada on Sep 22, 2008 | Reply
1. Irgendwo bei Indymedia.
2. 5-6 Leute sollten doch für die beiden irren Intifadafreaks reichen…
By saltzundessick on Sep 22, 2008 | Reply
na meine guete, schreib bloss nix ueber am rand stehende beuteltraeger. dann flippt er aus.
By peatuwe on Sep 22, 2008 | Reply
freitag hätt man vllt was reissen können, da warn kaum bullen auf der platte, aber samstag ging garnix
By Keta Minelli on Sep 22, 2008 | Reply
“Man möge vorsichtig sein mit alten Männern, denn sie haben nichts mehr zu verlieren.” (George Bernhard Shaw)
By saltzundessick on Sep 23, 2008 | Reply
jo, dann sei mal schoen vorsichtig.
By Keta Minelli on Sep 23, 2008 | Reply
Vor Leuten, die auf Indierock-Konzerte in schlechte Clubs gehen, habe ich keine Angst.
By kategorie x on Sep 23, 2008 | Reply
Netter Artikel, gewohnt gut geschrieben aber:
die “Rote Antifa Duisburg/Düsseldorf” (Freunde vom Initiativ e.V und regional bekannt für diverse Entgleisungen) haben am Samstag ein deutliche Abfuhr bekommen, die man in der Weimarer Republik wohl “proletarische Abreibung” genannt hätte.
Zweitens: die Klagemauer wurde zwar nicht eingerißen, der Typ davon (dieser Berufsarbeitslose) hat dafür handfeste Kritik einstecken müssen, bereits am Freitag.
Die Passagen zur Zivilgesellschaft sind ansonsten richtig, auch wenn dein Bericht über die Demo impliziert, dass dort auch Intifadafans mitgelaufen sind. Dies war sicherlich nicht der Fall, sooo pluralistisch war das ganze dann auch garnicht.
By nada on Sep 23, 2008 | Reply
Es sind definitv Intifadafans auf der Demo mitgelaufen, ich hatte das Vergnügen ihnen live zu begegnen und es waren keine Einzelfälle.
1. & 2. finde ich ja sehr erfreulich.
By kategorie x on Sep 23, 2008 | Reply
Dann sind die mir wohl entgangen. Wie hast du die denn identifiziert? So richtige Brockhausexemplare mit Pali und “Free Gaza”-Anstecker?
By nada on Sep 23, 2008 | Reply
ja
By saltzundessick on Sep 23, 2008 | Reply
stimmt, keta. indierockkonzertgaenger sind naemlich voll die weichwuerste. stichwort oeffentliches urinieren. hab ich einfach nicht drauf.
By w on Sep 23, 2008 | Reply
salty + keta
By saltzundessick on Sep 23, 2008 | Reply
ach, der naechste. wird auch wieder mal zeit fuer den running gag mit den zivibullen.
By saltzundessick on Sep 23, 2008 | Reply
germano ist mir uebrigens zu alt.
By Lizas Welt on Sep 24, 2008 | Reply
Sehr schöner Beitrag! Eine kleine Anmerkung vielleicht noch zum Vlaams Belang: “Neonazistisch” ist nicht wirklich die treffende Beschreibung für die. Sie sind meines Wissens nicht antiisraelisch und nicht antiamerikanisch; Antisemitismus gehört, wenn ich es richtig sehe, ebenfalls nicht zu ihrem Programm (wenn ich mich täuschen sollte, bitte ich um Aufklärung). Das aber sind wesentliche Kennzeichen des (Neo-) Nazismus. “Rechtspopulistisch” würde es in meinen Augen besser treffen. So genau sollte man schon sein.
Die “Klagemauer” beim nächsten Mal abzubauen, dürfte übrigens kein großes Ding sein. Die Betreiber sind dem Augenschein nach eher nicht in der Lage, dem etwas entgegenzusetzen.
Schöne Grüße
Liza
By Keta Minelli on Sep 24, 2008 | Reply
Ey! Ich bin nicht alt. Vielleicht verbittert und wunderlich, aber nicht alt.
By saltzi on Sep 24, 2008 | Reply
der unterschied zwischen neonazis und gewoehnlichen rassisten ist uebrigens die wahl zwischen teli und eisenstange als mittel der argumentation. so genau sollte man schon sein.
By g.scheitern on Sep 24, 2008 | Reply
Alles ganz normale “Rechtspopulisten” und israelfreundlich, wie z.B. Roeland_Raes
http://en.wikipedia.org/wiki/Roeland_Raes
“I doubt the systematism of the extermination of the Jews and I also doubt the number of deaths, […] and also whether camps such as Auschwitz were all meant to be extermination camps”
Ich würde mich da der Auswahlmöglichkeiten saltys anschließen…
By Lizas Welt on Sep 24, 2008 | Reply
Teli?
By saltzundessick on Sep 24, 2008 | Reply
dieser subtile tiefschlag war uebrigens gut, keta. haette ich nicht erwartet.